beim Vermessen eines Weißbrauenkuckucks in Tansania

Ökophysiologie von "Life histories" (Lebensgeschichten)

Wolfgang Goymann

Die Erde beheimatet unterschiedlichste Umwelten (auch Biome genannt). Einige dieser Biome weisen geringe saisonale Schwankungen in den Umweltbedingungen auf. So sind zum Beispiel Temperatur, Regenfall oder Nahrungsverfügbarkeit in vielen tropischen Tieflandregenwäldern über das Jahr hin relativ konstant. Andere Biome zeigen große, aber für die Bewohner vorhersagbare saisonale Schwankungen in diesen Umweltbedingungen. Dies ist z.B. in den Mischwäldern der gemäßigten Zonen der Fall. Und es gibt auch Biome, wie z.B. Wüsten und Dornsavannen, die große saisonale Schwankungen in den Umweltbedingungen zeigen, aber für die Bewohner dieser Wüsten ist es oft schwer vorhersehbar, wann die nächste Regenperiode kommt, in der sie sich fortpflanzen können.

Um zu überleben und sich erfolgreich fortzupflanzen, müssen Tiere körperlich, physiologisch und im Verhalten an diese Umweltbedingungen angepasst sein. Sie haben daher im Laufe der Evolution unterschiedlichste Anpassungen und lebensgeschichtliche Strategien entwickelt, um sich den Herausforderungen ihrer Umwelt erfolgreich stellen zu können.

Um besser zu verstehen, welche Auswirkungen der globale menschbedingte Wandel auf Tiere hat, müssen wir die ökophysiologischen Grundlagen der Lebensgeschichten unterschiedlicher Arten erforschen. Mit diesem Wissen können wir beurteilen, wie flexibel physiologische Kontrollmechanismen auf Umweltveränderungen reagieren können. Daraus lassen sich dann Vorhersagen ableiten, welche Arten mehr und welche weniger von den Auswirkungen des globalen Wandels betroffen sein werden.

Wir interessieren uns für das Zusammenspiel zwischen Physiologie, Verhalten und der Umwelt von Tieren - aus wissenschaftlicher Neugierde und weil wir einen Beitrag zum Schutz unserer natürlichen Lebensumwelt leisten wollen.

Derzeitige Projekte:

Welche ökologischen, physiologischen und evolutionären Faktoren bedingen die drastischen Unterschieden in Verhalten und Lebensgeschichte nah verwandter Spornkuckucksarten? Um dies zu beantworten, untersuchen wir mit Farbringen und Radiosendern markierte Individuen in der Usangu-Ebene in Tansania. mehr

Verhalten, Populationsökologie und Bestandsentwicklung des Braunkehlchens

Das Braunkehlchen war einst ein häufiger Brutvogel in Europa, doch die Intensivierung der Landwirtschaft hat diesen Wiesenbrüter aus unserer Kulturlandschaft weitgehend vertrieben. Leider ist der Bestand dieser relativ anspruchslosen Art auch in Schutzgebieten bedroht. Wir erforschen eine Population im Murnauer Moos, dem größten Moorgebiet nördlich der Alpen und ein Hotspot der biologischen Vielfalt in Bayern.

Vogelindividuen zeigen immense Unterschiede in der Konzentration von Hormonen wie Testosteron oder Kortikosteron. Welche Umweltbedingungen, welche sozialen Ereignisse und welche inneren Faktoren führen zu diesen Unterschieden? Und wie wirken sich die unterschiedlichen Hormonkonzentrationen auf Überlebenswahrscheinlichkeit, Gesundheit, Fertilität und Fortpflanzungserfolg aus? mehr
Der Vogelzug geht mit vielen physiologischen und morphologischen Anpassungen einher, deren physiologische Mechanismen weitgehend unverstanden sind.
Wir erforschen die Physiologie des Rastverhaltens ziehender Singvögel auf Ponza, einer Insel im Mittelmeer. mehr
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