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Abteilung Verhaltensneurobiologie

Im Fokus unserer Forschung steht die sexuelle Differenzierung des Gehirns, also die Mechanismen, die zur geschlechtsspezifischen Entwicklung von Verhalten führen. Dazu untersucht die Abteilung die endokrinen, molekularen und neurobiologischen Grundlagen von angeborenen und erlernten Vokalisationen von Vogelarten in einem möglichst naturnahen Kontext. Vögel, insbesondere Singvögel zeigen eine große Bandbreite an geschlechtsspezifischem Gesangsverhalten.

Da der Gesang eine zentrale Rolle für den Fortpflanzungserfolg der Vögel spielt, untersuchen wir implizit neurale Grundlagen der sexuellen Selektion. Männchen werben mit ihrem Gesang um die Weibchen und verteidigen Reviere, Weibchen wählen ein Männchen anhand seines Gesangs aus. Dabei spielt Lernen sowohl bei der Gesangsentwicklung, als auch bei der Bevorzugung von Gesängen eine wesentliche Rolle.

Im Zuge der Gesangsentwicklung wird zunächst ein auditorisches Gedächtnis aufgebaut – Lernen durch Zuhören. In einer zweiten Phase wird das auditorische Gedächtnis in ein motorisches übertragen Über auditorische Rückkopplung passt der Vogel seine eigene Vokalisation an das während der Gedächtnisbildung im Gehirn abgelegte Sollmuster an, ähnlich wie bei der Sprachentwicklung des Menschen. Ein neuronales Netzwerk, das sogenannte Vocal Control System ist für die Kontrolle des Gesangsverhaltens, Gesangslernen und Produktion verantwortlich. Die artspezifische, geschlechtsspezifische Entwicklung des Vokal Control System ist genetisch festgelegt und wird stark durch Geschlechtshormone (Androgene und Östrogene) beeinflusst.

Die Projekte in unserer Abteilung sind multidisziplinär und integrieren Arbeiten auf dem Gebiet von Verhalten, Endokrinologie, Neuroanatomie, Elektrophysiologie und Genexpression unter semi-natürlichen und natürlichen Bedingungen. Das Singvogel-Modell sowie andere Vogelmodelle mit speziellen geschlechtsspezifischen vokalem Verhalten, wie das Krähen von Hühnern, sollen allgemeine Fragen zur sexuellen Differenzierung und zum Lernen auf molekularer, zellulärer und neuraler Ebene beantworten.

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