Leiterin der Forschungsgruppe

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Dr. Simone Pika

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Monika Krug

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Humboldt Forschungsgruppe
Vergleichende Gestische Kommunikation

Diese unabhängige Forschungsgruppe wird durch einen Sofja-Kovalevskaja-Preis der Humboldt Stiftung finanziert, mit dem Simone Pika im November 2010 ausgezeichnet wurde.


Zum wissenschaftlichen Hintergrund

Menschliche Sprache ist einzigartig im Tierreich und stellt immer noch eines der größten wissenschaftlichen Rätsel dar.

Bereits von frühester Kindheit an verwenden Kleinkinder eine große Anzahl von Lauten, um mit ihrer Umwelt in kommunikative Interaktionen zu treten, Objekte zu erlangen, und das Denken und Handeln anderer zu beeinflussen. Sprache setzt sich aus über 100 akustischen, einzelnen Sprachlauten (Phonen) zusammen, welche in schnellen Sequenzen verknüpft, als Hauptüberträger von Bedeutung dienen. Diese zwei Charakteristika — ein umfangreiches, akustisches Portfolio und das Potential, Laute zu komplexeren, akustischen Sequenzen zu verknüpfen —, scheinen einzigartig für die menschliche Spezies zu sein und erfordern eine evolutionäre Erklärung.

Ein sehr wichtiger Forschungsansatz für das Rätsel der Entstehung menschlicher Sprache ist der vergleichende Ansatz, der empirische Daten von lebenden Arten verwendet, um Rückschlüsse auf die kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten ausgestorbener Vorfahren zu ziehen.

Die Mehrheit vergleichender, wissenschaftlicher Studien im Zusammenhang mit Sprachevolution fokussierten bisher auf den vokalen Fähigkeiten anderer Tierarten. Menschliche Sprache beinhaltet jedoch neben der Laute noch eine zweite, wichtige kommunikative Modalität: Bewegungen der Extremitäten, des Kopfes und Körperhaltungen, — Gesten.

Kinder beginnen bereits im ersten Lebensjahr anhand von Gesten mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Die häufigsten Gesten sind Zeigen, Geben und Offerieren, die verwendet werden, um den Wunsch nach einem bestimmten Objekt zu signalisieren oder die Aufmerksamkeit zu einem bestimmten Geschehen zu lenken.

Ähnlich wie menschliche Kinder verwenden auch unsere nächsten, nicht-menschlichen Verwandten, die Menschenaffen (Bonobo, Gorilla, Schimpanse, Orangutan) gestische Signale als

intentionale Strategien, um das Verhalten von Artgenossen zu beeinflussen (z.B. Pika, Liebal, Call und Tomasello 2005);

in dyadischen und triadischen Interaktionen (z.B. Pika 2008a, 2008b); und

• erlernen die meisten Gesten anhand von individuellen und sozialen Lernprozessen (z.B. Pika, Liebal, Call und Tomasello 2005; Pika 2008a).

Die meisten Studien der Vergleichbarkeit gestischer Fähigkeiten zwischen Mensch und Tier fundierten bislang jedoch vorwiegend auf Beobachtungen an westlichen Kulturen und nicht-menschlichen Primaten in Gefangenschaft. Zum einen wurde somit die Variabilität innerhalb einer Art nicht umfassend genug in Betracht gezogen, zum anderen differierten die Studien in der methodischen Vorgehensweise.

Genau hier setzen die Studien unserer Forschungsgruppe an, deren Schwerpunkt auf der Entwicklung und Komplexität gestischer Kommunikation in

(1) verschiedenen menschlichen Kulturen;

(2) genetisch sehr nah verwandten Arten (Bonobo, Schimpanse, Orangutan); und

(3) Arten, die in vergleichbar komplexen Sozialsystemen leben (Menschenaffen und Rabenvögel), liegt.

 
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