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Zentrum zur Erforschung von Tierwanderungen eingeweiht

Mit einem neuen Forschungscenter wollen die Max-Planck-Gesellschaft und die Universität Yale die Erforschung und den Schutz der Biodiversität vorantreiben

3. Mai 2018

Vom Schmetterling bis zum Wal – das Leben auf der Erde ist permanent in Bewegung. Gleichzeitig verändern sich die Lebensbedingungen auf unserem Planeten rasant. Die Max-Planck-Gesellschaft und die Universität Yale wollen die Erforschung von Tierbewegungen in sich verändernden Lebensräumen weiter vorantreiben. Sie haben dazu am 2. Mai ein gemeinsames Forschungscenter offiziell eingeweiht. Das Max Planck – Yale Center for Biodiversity Movement and Global Change wird neben der Entwicklung neuer Technologien und Methoden den Wissensaustausch zwischen Forschern erleichtern und die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern fördern. „Das neue Center ist etwas ganz Besonderes, denn es wird nicht nur die Erforschung von Ökologie und Biodiversität maßgeblich voranbringen. Mit Tieren als Sensoren für Umweltveränderungen wird es auch ein neues Bewusstsein der Öffentlichkeit für mögliche Bedrohungen unserer natürlichen Lebensgrundlagen schaffen“, sagt Max-Planck-Präsident Stratmann.
Das neue Max Planck – Yale Center for Biodiversity Movement and Global Change wird die Erforschung von Tierbewegungen in sich verändernden Lebensräume Bild vergrößern
Das neue Max Planck – Yale Center for Biodiversity Movement and Global Change wird die Erforschung von Tierbewegungen in sich verändernden Lebensräumen weiter vorantreiben.

Es ist noch gar nicht so lange her, da war es für die Menschen ein völliges Rätsel, warum manche Vögel für einen Teil des Jahres verschwinden. Erst die Beringung der Tiere hat gezeigt, wohin sie fliegen und dass sie auf ihren Zügen sogar ganze Kontinente überfliegen. Inzwischen wissen wir, dass neben den Vögeln auch viele andere Tiere auf Wanderschaft gehen: Wale, Zebras und Monarchfalter sind dabei nur die bekanntesten Beispiele.

Ziehende Tierarten sind an unterschiedliche Lebensbedingungen angepasst. Sensoren gleich nehmen sie die Lebensbedingungen vor Ort wahr und reagieren auf Veränderungen mitunter sehr empfindlich. Als Wächter des globalen Wandels können mobile Tiere also ein Bild vom Zustand unserer Erde vermitteln – und das in Echtzeit und genauer als moderne Messgeräte. Daraus können Forscher einerseits auf mögliche Gefahren schließen, die das Überleben von Arten bedrohen, aber auch Erkenntnisse über die Ausbreitung von Erkrankungen und Schädlingen gewinnen.

Sender statt Ringe

Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie, Max-Planck-Präsident Martin Stratmann, Yale-Präsident Peter Salovey sowie Walter Je Bild vergrößern
Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie, Max-Planck-Präsident Martin Stratmann, Yale-Präsident Peter Salovey sowie Walter Jetz, Co-Direktor des Zentrums, und Peter Schiffer von der Universität Yale (von links). [weniger]

Heute müssen Wissenschaftler Tiere nicht mehr beringen, um sie auf ihren Wanderungen verfolgen zu können. Kleine Sender signalisieren die Position der Tiere und können über Antennen und Satelliten geortet werden. Die neueste Sender-Generation wird nur noch so groß wie ein Fingernagel sein und rund ein Gramm wiegen. Die Mini-Geräte senden dabei nicht nur die Ortskoordinaten der Tiere an eine Empfangsstation im All, sie können auch Beschleunigungs- oder Umweltdaten messen.

Zur Erforschung der Biodiversität gewinnen und analysieren Wissenschaftler heute mit immer neuen Technologien große Mengen biologischer, räumlicher und umweltbiologischer Daten. Dazu müssen Biologen, Statistiker, Informatiker und Geowissenschaftler eng zusammenarbeiten. Das neue Center der Max-Planck-Gesellschaft und der Universität Yale bietet für eine solche Verzahnung unterschiedlicher Fachrichtungen ideale Voraussetzungen, denn mit dem Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und dem Yale Center for Biodiversity and Global Change arbeiten zwei Partner zusammen, deren Arbeitsschwerpunkte sich für die Erforschung von Tierbewegungen in idealer Weise ergänzen.

Am Max-Planck-Institut für Ornithologie ist Martin Wikelski einer der Initiatoren der Icarus-Initiative. In dem Projekt will er mit Partnern weltweit die Wanderungen unterschiedlichster Tierarten untersuchen. Die für Icarus entwickelten Mini-Sender werden ihre Messungen an eine Empfangsstation auf der Internationalen Raumstation ISS schicken. Über die von Wikelski und seinen Kollegen aufgebaute Datenbank „Movebank“ können Forscher dann weltweit auf die Daten zugreifen. Darüber hinaus hat das Institut mit Ian Couzin einen Experten für Schwarmverhalten in seinen Reihen. Zusammen mit der Universität Konstanz baut das Institut zudem ein Center for Visual Computing of Collectives zur Erforschung von Gruppenverhalten auf, in dem Wissenschaftler Tierschwärme in virtuellen holografischen 3D-Umgebungen beobachten und ihre Bewegungen exakt vermessen können.

Yale – Zentrum für Biodiversitätsforschung

Das Internet der Tiere: So funktioniert das Tierbeobachtungssystem Icarus Bild vergrößern
Das Internet der Tiere: So funktioniert das Tierbeobachtungssystem Icarus

Das Yale Center for Biodiversity and Global Change wiederum ist ein Zentrum der Biodiversitätsforschung. Seine Forscher wollen die Analyse von Raum- und Umweltdaten, Tierbewegungen und Artenverteilungen verbessern, zum Beispiel mithilfe der „Map of Life“, einer Plattform zur Analyse der Artenzusammensetzung. Die Wissenschaftler entwickeln zudem ein von der Nasa unterstütztes System zur Analyse der globalen Biodiversität. Außerdem untersuchen sie die genetische Vielfalt von Arten, die ökologische Bedeutung von Krankheiten und verbessern die Analyse großer Mengen von Fernerkundungsdaten.

Am Max Planck – Yale Center for Biodiversity Movement and Global Change wollen die beteiligten Forscher neue Technologien zum Verständnis von Tierbewegungen und der Verteilung von Arten in sich verändernden Landschaften entwickeln. Dafür wollen sie einerseits neue Technologien und Methoden entwickeln. Außerdem sollen bestehende wie die Movebank und die Map of Life zusammengeschaltet werden. Damit soll es möglich werden, Zusammenhänge zwischen Tierbewegungen und anderen Fernerkundungsdaten leichter zu erkennen und zu analysieren.

Die Max-Planck-Gesellschaft und die Universität Yale fördern das auf fünf Jahre angelegte Center zu gleichen Teilen mit insgesamt fünf Millionen Euro. Ein Großteil des Budgets fließt in die Finanzierung gemeinsamer Projekte und die Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern. So werden beide Forschungseinrichtungen jeweils zwei Wissenschaftler beschäftigen, die eng miteinander und mit den an das Projekt angebundene Doktoranden zusammenarbeiten. Ein Austauschprogramm, Workshops und Summer Schools sollen die Zusammenarbeit über Länder- und Disziplinen hinweg fördern.

 
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