Die Geschichte einer zündenden Idee: vom Gedanken zur Rakete

Zum Launch der ICARUS Antenne zur ISS am Dienstag, 13. Februar 2018 gibt ICARUS- Begründer und Direktor des MPI für Ornithologie Prof. Martin Wikelski spannende Einblicke vom Kosmodrom in Baikonur und erzählt wie alles begann. Ein Interview von ICARUS-Botschafter Gunnar.

Prof. Martin Wikelski auf der Allee der Kosmonauten Bild vergrößern
Prof. Martin Wikelski auf der Allee der Kosmonauten

ICARUS Botschafter Gunnar: Und, wie ist es?
Martin: Ziemlich spannend! Wir sind hier irgendwo in der Mitte von Kasachstan an dem Spaceport. Hier ist alles da was seit 60 Jahren in der Raumfahrt gemacht wurde. Heute waren wir bei der Allee, wo jeder Kosmonaut einen Baum gepflanzt hat, bevor er nach oben geflogen ist. Die Rakete steht, und man merkt, dass es jetzt ernst wird.

Gunnar: Würdest du am am liebsten mit hoch fliegen wollen?
Martin: Eigentlich schon, auf der anderen Seite ist es schon ein bisschen komisch, wenn man sich halt denkt, wie da diese Rakete rausgefahren kommt und aussieht wie eine riesige Silvesterrakete, nur halt mit hunderttausend Mal mehr Treibstoff. Auf der anderen Seite ist es halt total spannend, denn die sind jetzt innerhalb von drei Stunden oben.

Gunnar: Ist das eine spezielle Rakete, oder warum geht das so schnell?
Martin: Das ist die erste Fasttrack-Rakete, die gestartet wird, kurz bevor die ISS über ihr ist und geht dann hoch, wird immer schneller und beginnt die ISS zu verfolgen. Nach zweieinhalb Stunden ist sie ziemlich nah an der Raumstation dran und soll dann innerhalb einer halben Stunde andocken. Wenn das nicht klappen sollte, würde das ganze noch mal wiederholt werden. Wir haben also mehrmals die Möglichkeit anzudocken.

Die letzten Vorbereitungen am Launchpad zum Start. Bild vergrößern
Die letzten Vorbereitungen am Launchpad zum Start.

Gunnar: Ist in der Rakete jetzt noch mehr dabei, oder nur die Antenne?
Martin: Da ist hauptsächlich die Antenne drin, nur noch ein bisschen Ausrüstung und Verpflegung und ein kleines japanisches Experiment.

Gunnar: Was hat die Rakete auf dich für einen Eindruck gemacht?
Martin: Ich habe die Rakete aus dem Hangar kommen sehen und dann schaut sie riesengroß aus, mit den vier Triebwerken, aber wenn sie dann über die kasachische Steppe fährt, wirkt sie in der weiten Landschaft ganz klein und wie ein Spielzeug, aber kostet eigentlich 40 bis 50 Millionen.

Gunnar: Wie ist das Gefühl, wenn man vor der Rakete steht und weiß, dass man der Verantwortliche für die Gefahren und die Kosten ist?
Martin: Total krass! Man sieht ca. 150 Ingenieure, die zu der aufgestellten Rakete hin laufen und diese für dich fertig machen. Auch in der nächstliegenden Stadt waren wir auf dem Markt und haben ein wenig gefilmt. Es kamen die Bewohner mit ihren Kameras und wollten unbedingt Fotos machen, weil sie dachten wir wären Stars aus der großen weiten Welt. Und dann wird einem bewusst, dass man eine riesige Verantwortung für die großen Gefahren und die Kosten hat.

Gunnar: Hast du Angst dass irgendetwas schiefgehen könnte?
Martin: Ja wir haben schon Angst, aber wir sind mehr gespannt ob wirklich alles funktioniert und wie es oben beim Andocken klappt. Ob das mit den großen Schrauben funktioniert die wir getestet haben und ob das mit den Kabeln alles klappt. Denn die Russen haben da beim Löten etwas vertauscht und jetzt müssen wir bei dem Spacewalk nach Russland, in das Kontrollzentrum. Dort müssen die Kosmonauten dann aus dem Weltall erst die Nummer von den Kabeln und uns dann die Steckernummern vorlesen. Dann schauen wir das noch in ihrer Helmkamera an. Erst wenn wir das Go geben, dürfen sie die Kabel zusammenstecken. So macht jeder irgendwo Fehler deshalb sind wir auch sehr froh, dass wir die Kosmonauten haben, denen wir dann noch Anweisungen geben können.

Gunnar: Wie ist dein Gefühl das es jetzt endlich los geht?
Martin: Ich bin sehr froh!! Man kann es mit einem Abitur vergleichen! Jahrelang hat man darauf hin gearbeitet und jetzt ist es endlich fertig. Ich bin stolz drauf, aber sehr froh dass es jetzt geschafft ist!!!

Gunnar: Wie lange hat das jetzt gedauert?
Martin: 16 oder 17 Jahre von der ersten Idee an. Damals mit dem Georg Svensen, über dem Panamakanal, haben wir das erste mal drüber nachgedacht, wie man es denn machen müsste. Ich dachte damals es würde so 4 bis 5 Jahre dauern, aber Georg hat damals schon gesagt es würde viel länger dauern. Und er hat recht behalten...

Die Rakete wird von einer Eisenbahn frühmorgens aus dem Hangar zum Launchpad gebracht. Bild vergrößern
Die Rakete wird von einer Eisenbahn frühmorgens aus dem Hangar zum Launchpad gebracht.

Gunnar: Was haben deine Mitmenschen von dem Projekt gehalten?
Martin: Am Anfang hat es niemand ernst genommen und als ich zur NASA gegangen bin, hat man mich weitergeschickt zu einem Institut das total absurde Dinge durchrechnet.
Aber ein paar Leute kapierten es dann doch, haben mich unterstützt. Jetzt am Ende sagen alle, die mich kritisiert haben und damals meinten, dass es nie klappen würde, sie wären doch auch nötig gewesen. Denn wenn sie damals nicht gesagt hätten, dass es nicht klappen würde, dann hätte es bestimmt nicht gekappt. Das sagen sie nur damit sie auch irgendwie dabei gewesen sind...

Gunnar: Wie viel hat das Projekt jetzt insgesamt gekostet?
Martin: Die direkten Entwicklungskosten würde, ich sagen, sind so um die 12 Millionen Euro. Dann kommen noch 10 Millionen extra dazu. Die Tag- Entwicklung nochmal 2 Millionen. Dann dieselbe Menge insgesamt nochmal für die russische Seite, also so um die 25 Millionen für die Rakete und den Spacewalk. Und eigentlich müsste man das Institut auch noch dazu rechnen, denn das hat ja die ganze Zeit über für das Projekt gearbeitet und Unmengen an Daten für das ICARUS-System gesammelt. Dann kommt man insgesamt auf ca. 60 Millionen Euro, obwohl die Antenne eigentlich „nur“ ca. 12 Millionen gekostet hat.

Gunnar: Wer übernimmt die Kosten?
Martin: Das ganze macht die Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) und diese sind im Wirtschaftsministerium vertreten. Die Leute dort wissen: wenn sie in Zukunftstechnologien investieren, kommt das Zehnfache zurück. Allerdings erst nach einiger Zeit. Ein paar von denen haben gemerkt, dass das, was wir machen, das Internet-of-Things ist und die Idee davon auf jeden Fall in der Zukunft Fuß fassen wird. Unsere Sender werden die intelligenten Teile in dem System sein, denn durch den Zusammenschluss aller Tiere wird man viele neue Erforschungen machen können. Die Sender werden es möglich machen, dass an Dingen in deren Gegend kein Handynetz ist, trotzdem Daten übertragen werden können. Zum Beispiel wie schnell Gletscher schmelzen, oder im Regenwald die Bäume wachsen. Genau da hat das Wirtschaftsministerium erkannt, dass das Zukunftstechnologie ist und diese bisher nur Deutschland hat und später einmal die ganze Welt umfassen wird.

Gunnar: Hat das Ministerium das gleich begriffen?
Martin: Nein! Das waren nur sehr wenige vom DLR, aber auf beiden Seiten waren Visionäre die gemerkt haben, dass sie für das ähnliche stehen und daraus kam etwas Neues heraus und das haben wir den Leuten vorgestellt und das hat nach und nach überzeugt. Deshalb seid auch ganz wichtig ihr als ICARUS-Botschafter!! Damit auch die neue Generation überzeugt werden kann, denn sonst war alles umsonst und deshalb stehen wir auch in den Drang, euch zu beweisen, dass dieses System wirklich wichtig ist.

 
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