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Originalpublikation

Bart Kempenaers & Mihai Valcu
Breeding site sampling across the Arctic by individual males of a polygynous shorebird.

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Nach einer Reise um den halben Globus aus den Überwinterungsgebieten fliegen männliche Graubruststrandläufer oft noch viele tausend Kilometer weiter durch das Brutgebiet in der Arktis. Bart Kempenaers und Mihai Valcu vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zufolge besuchen sie innerhalb von vier Wochen bis zu 24 Nistplatzorte, um dort vermutlich Weibchen zu umwerben und ihre Chancen zu erhöhen, sich fortzupflanzen.
Balzflug männlicher Graubruststrandläufer mit aufgeblasenem Kehlsack und tief klingenden ("hupenden") Rufen. Bild vergrößern
Balzflug männlicher Graubruststrandläufer mit aufgeblasenem Kehlsack und tief klingenden ("hupenden") Rufen.

Das Paarungssystem der Graubruststrandläufer (Calidris melanotos) ist eine dominant männliche Polygenie, bei der die Männchen intensiv um Weibchen konkurrieren, um sich mit ihnen zu paaren. Sie stellen ihnen aber keine weiteren Ressourcen zur Verfügung für die Aufzucht der Jungtiere, unterstützen die Weibchen also nicht bei der Verteidigung des Nestplatzes oder bei der Brutfürsorge, wie man es von monogamen Arten kennt. Wie eine frühere Studie vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen unter Leitung von Bart Kempenaers mit dem Schlafforscher Niels Rattenborg zeigte, ist der Wettbewerb so rigoros, dass die Männchen ihren Schlaf reduzieren müssen, um in den nicht endenden Sommertagen der Arktis sozusagen rund um die Uhr um Weibchen zu buhlen und Rivalen zu bekämpfen. Am Ende sind es dann nur wenige Männchen, die auch zur Fortpflanzung kommen.

Aufwändige Balzrituale, viele erschöpfende Kämpfe mit konkurrierenden Männchen, kaum Schlaf und nur mit etwas Glück auch eine Kopulation – sind die Strapazen für die meisten Männchen also umsonst? Das interessierte den Verhaltensbiologen Bart Kempenaers, der Graubruststrandläufer schon seit über 13 Jahren erforscht. Er sah die Männchen im Untersuchungsgebiet in Barrow im südlichen Alaska ankommen und nach meist kurzer Zeit auch wieder gehen und fand heraus, dass die Verweildauer der Männchen stark davon abhängig ist, wie viele fruchtbare Weibchen vor Ort sind. Männchen, die länger blieben, hatten auch mehr Nachwuchs. Um zu untersuchen, ob die anderen aufgegeben hatten und wohin sie flogen, haben Bart Kempenaers und Mihai Valcu, ein Wissenschaftler aus seiner Abteilung, insgesamt 120 männliche Graubruststrandläufer mit kleinen mobilen Satellitensendern ausgestattet, die sich nach einiger Zeit wieder von selbst von den Tieren lösten.

Es zeigte sich, dass einige wenige besenderte Männchen in der Nähe des Studiengebietes blieben. Die große Mehrzahl der Männchen jedoch war äußerst nomadisch und flog bis weit in die kanadische und russische Arktis hinein, um dabei bis zu 24 Nistplatzorte zu besuchen. „Mit unserer Studie konnten wir die bisher bekannten Grenzen des großen Verbreitungsgebiets während der Brutzeit sogar noch erweitern“, sagt Kempenaers. Nach einer Reise von bis zu 14.000 Kilometern von der Südhalbkugel noch einmal so weit quer durch das Brutgebiet zu fliegen, ist anscheinend für den ungefähr 100 Gramm schweren Vogel keine große Leistung. „Wir denken, dass Fliegen für diese Tiere nicht sonderlich kräftezehrend ist“, so Kempenaers.

Nach ihrer langen Reise im Frühjahr können es sich die Männchen nicht leisten, Brutgelegenheiten zu verpassen. Gibt es diese Gelegenheiten vor Ort nicht, versuchen sie ihr Glück eben woanders. Und selbst wenn sie doch erfolgreich waren, kann die Reise zu anderen Nistplatzorten sich lohnen: „Die Männchen der Graubruststrandläufer wandern durch das gesamte Brutgebiet, um die Chancen zu erhöhen, sich in einer Brutsaison mehrmals fortzupflanzen“, vermutet Valcu. Voraussichtlich führt dieser Zug durch das Brutgebiet zu einer Population mit geringen genetischen Unterschieden und wenig Möglichkeit zu lokalen Anpassungen, aus denen neue Arten hervorgehen könnten.

SSp/HR

 
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