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Originalpublikation

Wolfgang Goymann, Ignas Safari, Christina Muck, Ingrid Schwabl
Sex roles, parental care and offspring growth in two contrasting coucal species.

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Allein für die Fürsorge verantwortliche Männchen des Grillkuckucks sind genau so erfolgreich bei der Jungenaufzucht wie die nah verwandten Weißbrauenkuckucke, bei denen sich die Eltern den Job teilen. Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben herausgefunden, dass auch beim Weißbrauenkuckuck ein Elternteil für die Aufzucht ausreichen würde. Sie gehen davon aus, dass sich die Weibchen vor allem aus Mangel an Gelegenheit, weitere Männchen zu finden, an der Brutfürsorge beteiligen: Das Geschlechterverhältnis ist beim Weißbrauenkuckuck relativ ausgeglichen, während es beim Grillkuckuck durchschnittlich mehr als doppelt so viele Männchen wie Weibchen gibt.
Männchen von Grill- (links) und Weißbrauenkuckuck (rechts). Bild vergrößern
Männchen von Grill- (links) und Weißbrauenkuckuck (rechts).

Bei den meisten Tieren kümmern sich die Weibchen viel mehr um die Jungenaufzucht als die Männchen. Aber es gibt Ausnahmen: So konkurrieren bei zirka einem Prozent aller Vogelarten die Weibchen um die Gunst der Männchen, und die Männchen ziehen die Jungen ganz alleine groß. Solche Ausnahmen helfen Biologen dabei, die evolutionären Prozesse bei der Ausbildung von Geschlechterrollen zu erforschen.

Eine dieser Arten ist der Grillkuckuck, bei dem sich ein Weibchen in einer Saison mit bis zu fünf Männchen verpaart. Nach der Eiablage kümmert sich jedes ihrer Männchen alleine um den jeweiligen Nachwuchs, das Weibchen hingegen verteidigt ihr großes Revier und legt Eier für den nächsten Partner. Bei einer nah verwandten Art, dem Weißbrauenkuckuck, sieht es ganz anders aus: Zwar kommt der Weißbrauenkuckuck im gleichen Gebiet vor und besetzt eine ähnliche ökologische Nische, aber hier bilden ein Weibchen und ein Männchen dauerhaft ein Paar, das sich dann gemeinschaftlich um die Aufzucht der Jungen kümmert.

Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen haben nun untersucht, wie sich der Aufwand für die Jungenaufzucht bei den beiden Arten unterscheidet. Demnach liegt der Aufwand für ein Grillkuckucksmännchen um ein Vielfaches höher als für ein Pärchen vom Weißbrauenkuckuck. Grillkuckucksväter füttern ihre Jungen vier bis fünf Mal so häufig wie ein Elternteil des Weißbrauenkuckucks. Selbst wenn man die Leistung der beiden Partner zusammenzählt, fliegt ein Grillkuckucksvater immer noch zwei bis drei Mal so häufig zum Nest wie ein Paar des Weißbrauenkuckucks zusammen - was wahrscheinlich daran liegt, dass Weißbrauenkuckucke ihren Jungen mehr Frösche als Insekten füttern. Im Gegensatz zum Grillkuckuck verbringen Weißbrauenkuckucke auch während der Brutzeit sehr viel Zeit damit, einfach nur in Büschen zu sitzen. Der elterliche Aufwand, eine Brut großzuziehen, scheint für sie relativ gering zu sein.

„Wahrscheinlich würde beim Weißbrauenkuckuck genau wie beim Grillkuckuck auch ein Elternteil ausreichen, um die Jungen erfolgreich großzuziehen“, schlussfolgert Wolfgang Goymann, der Leiter der Studie. Die Forscher vermuten, dass Weißbrauenkuckucke nur deshalb Paare bilden und sich gemeinsam um die Aufzucht der Jungen kümmern, weil es den Weibchen dieser Art an Möglichkeiten mangelt, weitere männliche Partner zu finden. Beim Grillkuckuck ist das Geschlechterverhältnis wohl aufgrund einer erhöhten Jugendsterblichkeit bei den Weibchen stark zugunsten der Männchen verschoben: Auf ein Weibchen kommen im Schnitt zweieinhalb Männchen. Es findet also leicht mehrere Partner, denen sie dann die Brutfürsorge überlässt. Beim Weißbrauenkuckuck ist das Geschlechterverhältnis relativ ausgeglichen. Daher hat ein Weibchen kaum Chancen, weitere Partner zu finden und ist wohl besser dran, wenn sie mit ihrem gegenwärtigen Partner in die Aufzucht investiert.

SSp/HR

 
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