Windkanal
Im Jahr 1999 wurde nach Lund/Schweden der weltweit zweite Windkanal für Vögel am Max-Planck-Institut für Ornithologie (zum damaligen Zeitpunkt noch „Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft“) in Seewiesen in Betrieb genommen. Der Kanal wurde in ein bereits bestehendes Gebäude so hineingebaut, dass die Flugkammer direkt unter der dort vorhandenen Kuppel eines Planetariums zu liegen kam.
Die ursprüngliche Funktion dieses Planetariums war, angehende Astronauten auf ihren Einsatz im All vorzubereiten. Mittels einer Zentrifuge in einen Schwerelosigkeit-ähnlichen Zustand versetzt, mussten Reaktions- und Orientierungstests absolviert werden.
Für die Vögel, die im Windkanal ihren Frühjahrs- und Herbstzug absolvieren, sollte das Planetarium vor allem bei Arten zum Einsatz kommen, die auch oder sogar überwiegend des Nachts weite Strecken zurücklegen und dabei u. a. auch mit Hilfe der Sterne ihren Weg finden.
In den ersten Jahren der Vogelzugforschung am Seewiesener Windkanal standen vor allem Fragen zum Stoffwechsel im Vordergrund (Herzraten, Flügelschlagfrequenzen, Wasserhaushalt, Fettstoffwechsel etc.): Wie managen die Tiere ihre alljährlichen weiten Reisen vom energetischen Gesichtpunkt aus? Welche „Tricks“ benutzen sie, um diese gewaltigen körperlichen Leistungen zu erbringen, die beispielsweise uns Menschen völlig unmöglich wären?
