Evolutionäre und Ökophysiologische Mechanismen des Teilzugverhaltens
Teilzug - das Phänomen, wenn ein Teil der Population wegzieht und der andere Teil im Brutgebiet überwintert, - ist vermutlich eine sehr weit verbreitete Form des Vogelzuges und wahrscheinlich eine der meist vorkommenden Lebenstrategien in Vögeln. In unserem Forschungvorhaben untersuchen wir die Evolution und Ökologie des Teilzugverhaltens von Singvögeln. Die klassische Vogelberingung hat im Freiland bisher die größten Fortschritte in der Vogelzugforschung gebracht hat. Die massenhafte Kennzeichnung von Zugvögeln in den nunmehr fast hundert Jahren ihrer Geschichte hat die Wanderwege und Winterquartiere, Zugzeiten, und Zugstrategien aufgedeckt und viele weitere Daten geliefert wie keine andere Methode. Dennoch sind viele Fragen bezüglich des Vogelzuges im Allgemeinen und des Teilzugverhaltens im Speziellen, d.h. bzgl. der Zugstrategien von Individuen im Freiland unbeantwortet. Die rasante Weiterentwicklung und Miniaturisierung von Telemetrie- und Mikro-Datenlogger-Technologie ermöglicht es uns heutzutage sogar kleine Singvögel über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr kontinuierlich zu verfolgen. Mit Hilfe dieser Technik beantworten wir sehr grundlegende aber gleichzeitig auch essentielle Fragen, wie z.B. was Individuen dazu bringt im Brutgebiet zu überwintern oder wegzuziehen, wann beginnt ein Zugvogel sich auf den Zug vorzubereiten und welche Fitnesskonsequenzen bringt die Entscheidung mit sich, ob man zieht oder nicht? Im Moment versuchen wir zu verstehen, welche ökologischen Faktoren die individuelle Entscheidung zu ziehen oder nicht zu ziehen beeinflussen. Wenn wir die proximaten Umweltfaktoren identifizieren, welche die Zugstrategien bestimmen, können wir auch einen besseren Einblick gewinnen, in die historischen Selektionsdrücke die für die Evolution der beiden Überwinterungsstrategien verantwortlich sind.
