
Fledermäuse der gemäßigten Zonen gehen in Winterschlaf um saisonale Nahrungsknappheit zu überstehen und können tagsüber in Torpor (Kältestarre) fallen um Energie zu sparen. Außerdem nutzen sie eine sehr energieaufwändige Fortbewegungsweise, das aktive Fliegen (im Gegensatz zum Gleitflug anderer Säugetiere) (Voigt et al. 2010). All dies macht sie zu einem besonders interessanten Modelsystem um Stoffwechselvorgänge und Energetik zu untersuchen.
Die Beißkraft eines Tieres beeinflusst natürlich das Beutespektrum eines Tieres erheblich. Um die Rolle von relativer Beißkraft (d.h. Beißkraft im Verhältnis zu Körpergröße) bei der Nischenaufteilung zu untersuchen, haben wir Daten von 14 europäischen Fledermausarten am Beißkraftmesser gesammelt.
Alle Beutetiere müssen ihre Fressfeinde erkennen und meiden um zu überleben. In einem Verhaltensexperiment haben wir die Reaktion von Großen Mausohren (Myotis myotis) auf zwei synthetisch hergestellte Duftkomponenten (Fuchskot und Marder) sowie den natürlichen Duft des Mauswiesels (Mustela nivalis) getestet. Die Fledermäuse zeigten weder Angst- noch Vermeidungsverhalten, daher muss davon ausgegangen werden, dass während der Evolution die Entwicklung von olfaktorischer, also geruchsbasierter, Fressfeinderkennung unterbunden wurde, wahrscheinlich aus ökologischen Gründen (Driessens & Siemers 2010).
Jeder Organismus reichert aus der Nahrung stabile Isotopen (Atomvarianten, die sich nur in der Zahl der Neutrone in ihrem Kern unterscheiden) in seinem Gewebe an oder scheidet sie über Exkremente und Atem aus. Dies kann man sich zunutze machen um das Nahrungsspektrum eines Tieres zu untersuchen. In Zusammenarbeit mit Dr. Christian Voigt vom Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung haben wir die stabilen CO2- Isotopen im Atem von Großen Mausohren (Myotis myotis) gemessen. Die Tiere waren entweder hungrig oder gerade gefüttert worden. Aus dem Vergleich dieser Werte konnten wir die Rate berechnen, mit der das Isotop vom Stoffwechsel verarbeitet wird (Voigt et al. 2008).