Forschungsgruppe Kommunikation und Sozialverhalten
Die zwei Hauptfunktionen des Vogelgesangs sind die Revierverteidigung und das Anlocken von Paarungspartnern. So wird durch die Konkurrenz der Männchen und die Wahl der Weibchen der Gesang der Vögel sexuell selektiert. Dadurch ist der Vogelgesang nicht nur eines der wichtigsten Modelle zur Erforschung von Kommunikation, sondern auch von sexueller Selektion. Wir verfolgen einen problemorientierten Ansatz, um die Mechanismen und Funktionen des Vogelgesangs auf der Basis von informationstheoretischen und evolutionsbiologischen Konzepten zu untersuchen.
Wir erforschen beispielsweise, wie Vögel mit Hilfe ihres Gesangs Informationen austauschen und wie sie ihre Signale an die Umwelt anpassen. Darüber hinaus untersuchen wir, in wie weit der Einsatz und die Struktur von Vogelgesang durch sexuelle Selektion geformt wird und welche selektiven Kräfte die Gesangsproduktion beschränken. Ferner wird in diesem Zusammenhang analysiert, welchen Einfluss individuelle Lernprozesse während der frühen Ontogenese spielen können.
Das übergeordnete Ziel unseres Forschungsprogramms ist ein Brückenschlag zwischen proximaten Mechanismen und den biologischen Funktionen sexuell selektierter Signale. Dies wird dadurch erreicht, dass wir gleichzeitig mit den physiologischen Grundlagen des Gesangs auch die individuelle Fitness der singenden Männchen untersuchen. Dazu setzen wir ein breites Methodeninventar ein, das von bioakustischen über endokrinologische Techniken bis hin zur Verhaltensenergetik reicht. Die empirische Arbeit umfasst dabei Laborversuche und Freilanduntersuchungen in einer Vielzahl von Habitaten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. Darüber hinaus untersuchen wir einzelne ausgewählte Fragen in einem vergleichenden Ansatz auch an anderen Tiergruppen. Zum Beispiel erforschen wir, ob und wie Säugetiere oder Insekten ihre akustischen Signale an Umweltlärm anpassen.
