Kurzportrait

Max-Planck-Institut für Ornithologie

Das Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO) wurde durch Beschluß des Senats vom 14.11.1997 zunächst als selbstständige Max-Planck-Forschungsstelle gegründet, die mit Beschluß vom 19.3.2004 zum Max-Planck-Institut für Ornithologie umbenannt wurde. Es hat seinen Hauptsitz in dem zur Gemeinde Pöcking bei Starnberg in Oberbayern gehörenden Ort Seewiesen. Mit der Vogelwarte Radolfzell ist ein Teilinstitut des MPIO in Radolfzell am Bodensee angesiedelt. Das Institut besteht aus vier Abteilungen und mehreren selbstständigen Forschungsgruppen, die sich mit verschiedenen ornithologischen Fragestellungen befassen und dabei zahlreiche biologische Disziplinen zusammenführen. Manfred Gahr und Bart Kempenaers forschen mit ihren Abteilungen in Seewiesen. Martin Wikelski und Iain Couzin sind Direktoren in Radolfzell und Konstanz und beide Professoren an der Universität Konstanz. Am gesamten Institut arbeiten und forschen über 220 Mitarbeiter. Das MPIO unterhält enge Kooperationen zu einer Reihe von internationalen Instituten mit vergleichbaren Forschungsschwerpunkten.

Abteilung Kollektivverhalten

In Gruppen lebende Tiere wie Fischschulen, Vogel- oder Insektenschwärme zeigen häufig komplexe und koordinierte Verhaltensweisen, die sich aus sozialen Interaktionen zwischen Individuen ergeben. Unsere Abteilung kombiniert mathematische Modelle der Gruppendynamik mit Beobachtungs- und experimentellen Studien von Tieren in freier Wildbahn. Durch die Integration von Neurobiologie mit der Bewegungsökologie sozialer Gruppen bietet die Forschung in unserer Abteilung unuübertroffene Möglichkeiten, das Verhalten Einzelner im Kontext des Kollektivs zu quantifizieren. Direktor der Abteilung ist Prof. Dr. Iain Couzin.

Abteilung Tierwanderungen und Immunökologie

Warum wandern Tiere und wie überleben sie? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sammeln die Forscher in einer internationalen Datenbank globale Bewegungsprofile von Vögeln und anderen Tieren, die mit technologisch hochentwickelten Biologgern ausgestattet wurden. Diese Forschungen werden neue, auch immunologische Erkenntnisse liefern und zeigen, wie Tiere mit ihren natürlichen Krankheiten, Klimaveränderungen und menschlichen Einflüssen zurechtkommen. Sie sollen auch dazu beitragen, das global bedrohte Phänomen der Tierwanderungen zu bewahren. Direktor der Abteilung ist Prof. Dr. Martin Wikelski.

Abteilung Verhaltensneurobiologie

Singvögel zeigen eine große Bandbreite an geschlechtsspezifischem Gesangsverhalten. Die Abteilung erforscht die Mechanismen, die zu der Entwicklung von Verhalten und Sinnesleistungen bei beiden Geschlechtern führen. Dazu werden die endokrinen, neurobiologischen und molekularen Grundlagen von angeborenen und erlernten Lautäußerungen der Vögel in natürlichen und naturnahen Umgebungen untersucht. Direktor der Abteilung ist Prof. Dr. Manfred Gahr.

Abteilung Verhaltensökologie und evolutionäre Genetik

Die Forschung der Abteilung Verhaltensökologie und evolutionäre Genetik dreht sich um die Evolution von Partnerwahl, Partnertreue und elterliche Brutfürsorge bei Vögeln. Wer ist der perfekte Partner und wie findet man ihn? Das ist ein Thema, das irgendwann auch jeden Menschen einmal beschäftigt, und der Schlüssel zum Verständnis vieler Aspekte tierischen Verhaltens. Die Mitarbeiter der Abteilung untersuchen im Besonderen, warum sich Individuen in ihrem Paarungsverhalten unterscheiden, und wie sich das auf ihren Fortpflanzungserfolg und ihre Überlebenswahrscheinlichkeit auswirkt. Direktor der Abteilung ist Prof. Dr. Bart Kempenaers.

Wissenschaftlicher Nachwuchs

Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat am Max-Planck-Institut für Ornithologie oberste Priorität. Im Rahmen von zeitlich befristeten Nachwuchsgruppen, die durch die Max-Planck-Gesellschaft oder auch extern finanziert sind, können begabte junge Wissenschaftler eigene Forschungsprogramme durchführen. Zur Zeit befinden sich sieben solcher Nachwuchsgruppen in Seewiesen.

IMPRS

Die 2009 gegründete "International Max Planck Research School (IMPRS) for Organismal Biology“ ist ein Graduiertenprogramm, das ausgewählten Studierenden aus dem In- und Ausland die Möglichkeit bietet, im Rahmen einer strukturierten Ausbildung unter exzellenten Forschungsbedingungen zu promovieren. In enger Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Biologie an der Exzellenzuniversität Konstanz werden den Studierenden interdisziplinäre Vorlesungen und Kurse rund um das Thema Organismische Biologie angeboten.

Windkanal und MaxCine

Eine Besonderheit am Institut in Seewiesen ist der Windkanal. Der Windkanal wurde speziell für aerodynamische Aspekte geplant, da es den Forschern erlaubt, fliegende Tiere aktiv in der Flugkammer zu beobachten und zu dokumentieren. In den ersten Jahren der Vogelzugforschung am seewiesener Windkanal standen vor allem Fragen zum Stoffwechsel im Vordergrund (Herzraten, Flügelschlagfrequenzen, Wasserhaushalt, Fettstoffwechsel, etc.), aber die Einrichtung bietet zusätzliche Infrastruktur für viele andere Arten von Aktivitäten. Mit variablen Gegenwindgeschwindigkeiten, angepasstem Luftdruck und Lufttemperatur sowie Projektionen von Landschaft und Himmel in der zwei Meter langen Flugkammer können natürliche Flugbedingungen simuliert werden.

Das Zentrum für Kommunikation MaxCine in Radolfzell informiert in einem interaktiven Medienraum über verschiedene weltweite Forschungsprojekte der Vogelwarte in Filmen und Livewebcams. Insekten und Vögel werden auf der Bienenweide “Bee Marie“ in freier Natur beobachtet und Workshops für alle Altersgruppen machen die Arbeit der Wissenschaftler durch Kreativität erlebbar. Individuell geplante Führungen und flexibel gestaltete Rauminstallationen in verschiedenen Ausstellungsräumen vermitteln Forschung auf anschauliche Weise.