Genetische Variation
Die Funktion der genetischen Variation wurde bislang vorwiegend an traditionellen genetischen Modellorganismen erforscht, wie der Taufliege, dem Zebrafisch, der Maus oder dem Menschen. Obwohl an diesen Modellorganismen ein beachtliches mechanistisches Verständnis zur funktionellen Beziehung von Genotypen und Phänotypen entwickelt wurde, ist die ökologische und evolutionäre Bedeutung dieser Beziehung in einer natürlichen Umwelt nur unzureichend charakterisiert. Im Gegensatz dazu gibt es umfangreiche ökologische Untersuchungen bei Vögeln, die aber als Nicht-Modellorganismen kaum genetisch untersucht sind.
Eines unserer Forschungsziele ist es, die funktionelle Verknüpfung zwischen Genotyp und Phänotyp in natürlichen Vogelpopulationen zu erfassen. Zu diesem Zweck analysieren wir Polymorphismen aus Kandidatengenen für spezifische Verhaltensmerkmale, d.h. für Gene, die bereits bei Modellorganismen identifiziert worden sind. Welche natürlich vorkommenden Genvarianten gibt es, und zu welchen unterschiedlichen phänotypischen Ausprägungen führen diese Varianten? Aktuell untersuchen wir die genetische Basis verschiedener Persönlichkeitsmerkmale sowie von Merkmalen, die für biologische Rhythmen von Bedeutung sind. Langfristig wollen wir die adaptiven Prozesse auf genetischer Ebene analysieren, um Mechanismen der Mikroevolution besser zu verstehen.
Ein weiteres Projektziel ist es, die Bedeutung der genetischen Diversität innerhalb von Individuen zu verstehen. Dazu untersuchen wir den Zusammenhang zwischen allgemeiner genetischer Heterozygotie bzw. locus-spezifischer Heterozygotie und Fitness-relevanten Merkmalen in verschiedenen Arten.
